Kolumnen & Analysen Devisen

Tagesausblick Renten/Devisen: EZB fährt QE zurück – US-BIP im Blick
Helaba Floor Research - Forex - 27.10.2017

Die Europäische Zentralbank hat die Reduzierung ihres Anleihekaufprogramms beschlossen. Ab Januar kommenden Jahres wird das monatliche Volumen auf 30 Mrd. von derzeit 60 Mrd. EUR reduziert. Die Käufe sollen bis Ende September 2018 oder erforderlichenfalls darüber hinaus erfolgen, in jedem Fall aber so lange, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit dem Inflationsziel im Einklang steht. Die Zinssätze wurden erwartungsgemäß nicht angetastet und der Passus beibehalten, wonach die Leitzinsen weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Die EZB vollzieht den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik somit sehr vorsichtig. Zudem gelang es Präsident Draghi, Zinserwartungen im Zaum zu halten.

Das datenseitige Interesse gilt heute der ersten Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts des dritten Quartals. Die hohe Wachstumsdynamik in den Monaten April bis Juni von annualisiert 3,1 % VQ dürfte nicht gehalten werden. Die Vorgaben vonseiten des Außenbeitrags und der Investitionen sind aber solide, sodass ein Wachstum im Rahmen der Konsensschätzung von 2,6 % VQ realistisch erscheint. Zusammen mit den robusten Stimmungsindikatoren (ISM-Index auf 13-Jahreshoch) spricht von konjunktureller Seite nichts dagegen, am Vorhaben gradueller Leitzinserhöhungen festzuhalten. In diesem Zusammenhang sei auf die FOMC-Sitzung in der kommenden Woche verwiesen. Dann hätte die Notenbank Gelegenheit, die Zinserwartungen zu steuern, denn es gilt zu berücksichtigen, dass eine Erhöhung des Leitzinsbandes um 25 Bp. auf 1,25-1,50 % zum Ende dieses Jahres noch nicht vollständig eskomptiert ist, eine Mehrheit der FOMC-Mitglieder dies aber für angemessen hält.

Bund-Future: QE-Reduzierung belastet nicht



Im Vorfeld der EZB-Ratssitzung legte der Bund-Future bereits leicht zu. Mit Bekanntgabe der EZB, das Anleihekaufprogramm auf 30 Mrd. zu reduzieren, entwickelte sich ein starker Aufwärtsimpuls. Dieser wurde selbst von Meldungen, wonach Yellen nicht für eine 2. Amtszeit als Fed-Chefin nominiert werden soll und die US-Steuerreform doch möglich erscheint, nicht geschwächt. Trotzdem bleibt das technische Umfeld schwierig und die Vorgaben vonseiten der US-Rendite sind zudem belastend. Trading-Range: 161,10 – 161,90.

Euro unter Druck – Kommt US-Steuerreform?



Der Euro kam gestern unter Druck. Offensichtlich hat die EZB Marktteilnehmer überrascht, indem sie sich alle Optionen offen hielt. Zwar wurde eine Reduzierung des Anleihekaufvolumens von Januar bis September 2018 auf monatlich 30 Mrd. EUR beschlossen, das Programm kann aber im Bedarfsfall verlängert oder auch volumenmäßig wieder ausgeweitet werden. Zudem sollen die Leitzinsen bis weit über das Ende des Kaufprogramms auf dem derzeitigen Niveau gehalten werden. Des Weiteren gab es Meldungen, wonach sich Janet Yellen nicht mehr im Rennen um den Fed-Vorsitz befinden soll. Damit steigen die Chancen für die als „hawkisher“ angesehenen Ökonomen Taylor, Powell und Warsh. Zudem erscheint nun eine US-Steuerreform doch noch möglich. Wichtige Unterstützungen um 1,1720 und 1,1661 wurden gebrochen, sodass die mittelfristige Perspektive klar negativ ist. Mit Komplettierung einer Trendwendeformation ist nun Raum bis in den Bereich 1,1200/50 eröffnet worden. Trading-Range: 1,1580 – 1,1700.

Autor: Helaba Floor Research, www.helaba.de

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