Kolumnen & Analysen Devisen

Tagesausblick Renten/Devisen: Monetäre Dynamik in der Eurozone verhalten
Helaba Floor Research - Forex - 28.11.2017

Die Akteure am Devisenmarkt favorisieren aktuell den Euro gegenüber dem US-Dollar und stützen sich dabei auf die divergierenden Inflationserwartungen. So tendiert die 5J./5J.-Inflationserwartung in den USA seit dem Sommer seitwärts, das Pendant in der Eurozone steigt demgegenüber im Trend an. Starke Stimmungsindikatoren und solide Wachstumsperspektiven in Europa unterstützen dies, die tatsächlichen Teuerungsraten freilich nicht. In den USA ist bemerkenswert, dass die Zinserwartungen unter den schwachen Inflationserwartungen bisher nicht gelitten haben. Zwar wird weiterhin bis Ende des kommenden Jahres vollständig nur mit einer Erhöhung um insgesamt 50 Bp. gerechnet, die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschrittes in diesem Zeitraum wird aber als immer größer angesehen. Vor diesem Hintergrund bekommen die monetären Zahlen sowie die preislichen Entwicklungen ein höheres Gewicht. Die heute anstehenden Geldmengen- und Kreditwachstumsraten der Eurozone eröffnen den Reigen in dieser Woche. Im Fokus steht wie sooft die Geldmenge M3, deren Jahresveränderungsrate bei unverändert moderaten 5,1 % erwartet wird. Überraschungspotenzial auf der Oberseite machen wir nicht aus. Der Blick auf die Kreditaggregate zeigt, dass die unterliegende Geldschöpfungsaktivität noch verhalten ist. So lag der Zuwachs der Kreditvergabe an den privaten Sektor zuletzt bei nur 2,8 % gg. VJ. Die Quartalsdynamik erholt sich gerade von dem Rücksetzer seit dem Frühjahr. Insofern erscheint eine Diskussion um eine restriktivere EZB-Geldpolitik noch verfrüht.

In den USA sind die positiven Berichte zum „Black Friday“ verarbeitet und die Marktteilnehmer widmen sich den neuen Konjunkturdaten. Zu nennen ist das Verbrauchervertrauen des Conference Boards im laufenden Monat. Die Vorgaben sind per saldo negativ. So sank das Michigan Sentiment im November und Umfragewerte wie diejenigen von IPSOS und IBD/TIPP liegen ohnehin auf vergleichsweise niedrigen Niveaus. Trotz eines möglichen Rückschlags bei der Stimmung sollte deutlich gemacht werden, dass die anhaltend freundliche Entwicklung des Arbeitsmarktes eine nochmals verbesserte Konsumentenlaune in den kommenden Monaten wahrscheinlich macht. Konjunkturelle Zweifel sollten per saldo also nicht geschürt werden. Nicht unerwähnt bleiben darf die Anhörung Jerome Powells vor dem Bankenausschuss des US-Senats anlässlich seiner Berufung für den Fed-Vorsitz. Es ist unklar, ob es unter ihm zu einer Neuausrichtung der US-Geldpolitik kommt, sodass seine Äußerungen mit Spannung erwartet werden.



Bund-Future handelt in enger Spanne.



Zum Wochenauftakt zeigte sich der Bund-Future leicht gestärkt. Die seit Mitte November bestehende Seitwärtsbewegung setzt sich aber per saldo fort, wobei es charttechnisch zur Ausbildung eines Dreiecks gekommen ist. Das schwache Kursmomentum und der niedrige ADX lassen noch nicht auf einen Ausbruch schließen. Eine Bewegung über die Widerstandslinie bei 163,18 sowie das Kontrakthoch bei 163,63 würde den richtungslosen Handel jedoch beenden. Haltemarken finden sich bei 162,61 und 161,91. Die Senatsentscheidung über die angekündigte US-Steuerreform am Donnerstag hat das Potenzial, den Bund-Future zu beeinflussen. Ob die Steuerreform wie geplant eingeführt wird, bleibt derweil fraglich, zumal sich drei Republikaner kritisch über das Vorhaben äußerten. Trading-Range: 162,40 – 163,50.

Euro außer Rand und (Bollinger)-Band



In Abwesenheit fundamentaler Einflüsse hat sich der Euro weiter gefestigt und im Hoch bei 1,1961 notiert. Mit dem dynamischen Anstieg der letzten Handelstage kommt es zu einer überkauften Marktlage. Zwar liegt der RSI noch unterhalb dieses Levels, der Stochastic ist aber in die Überkaufzone eingedrungen. Zudem handelt der Euro zeitweise oberhalb des oberen Bollinger-Bandes (1,1939). Vor diesem Hintergrund scheint eine vorübergehende Konsolidierung denkbar, technisch ist aber der Weg frei zum Test des Anfang September markierten Jahreshochs bei 1,2092. Erste Unterstützungen sind im Bereich ehemaliger Widerstände bei 1,1880/86 und 1,1860 zu finden. Trading-Range: 1,1860 – 1,2000.

Autor: Helaba Floor Research, www.helaba.de

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