Kolumnen & Analysen Devisen

Devisen: Russischer Rubel immer noch unterbewertet?
Dr. Detlef Rettinger - Forex - 07.03.2018

Bis Anfang 2016 stand der Rubel unter starkem Abwertungsdruck. Verantwortlich dafür waren zum einen die Sanktionen im Zusammenhang mit der Krim-Annexion und zum anderen der starke Rückgang beim Ölpreis. Öl und Gas sind weiterhin die wichtigsten Exportprodukte Russlands. Seitdem hat sich aber nicht nur der Ölpreis deutlich erholt, auch der Rubel konnte vor allem gegenüber dem gleichzeitig schwächelnden Dollar wieder deutlich zulegen. Die starke Abwertung von 2013 bis 2016, als der Rubel die Hälfte seines Wertes verloren hat, konnte aber bisher nur zum Teil wieder wettgemacht werden. Setzt der Rubel daher seine Aufwertungstendenz fort?

Die Notenbank senkt den Leitzins



Die Voraussetzungen dafür wären durchaus gegeben, denn die Wirtschaft wird 2018 ihren Erholungskurs fortsetzen. Nach dem Plus von 1,5 Prozent im Jahr 2017 wird das BIP 2018 voraussichtlich um 1,9 Prozent zulegen. Die Notenbank kann die zaghafte Konjunkturerholung zudem mit Zinssenkungen unterstützen, denn die Inflationsrate ist im Januar mit +2,2 Prozent auf den tiefsten Stand seit 1990 gefallen. Nach der Zinssenkung im Februar wird es voraussichtlich im März eine weitere Reduzierung auf 7,25 Prozent geben. Bis Jahresende dürften dann noch weitere Zinssenkungen kommen. Das bringt eigentlich Aufwärtsdruck für USD/RUB, zumal die US-Notenbank gleichzeitig den Leitzins erhöht. Allerdings tritt die Zinsdifferenz derzeit in den Hintergrund, maßgeblich für die Geldströme von und nach Russland ist eher die Politik. Dass sich die Spannungen mit den USA in letzter Zeit zumindest nicht verstärkten, hat viele spekulative Anleger nach Russland zurückgelockt. Zumal der Rubel immer noch unterbewertet ist, jedenfalls nach Ansicht der meisten Devisenexperten. Auch der höhere Ölpreis sorgt wieder für steigende Kapitalzuflüsse.

USD/RUB im Abwärtstrend



In den letzten 12 Monaten bewegte sich USD/RUB zwar unter dem Strich seitwärts, aber die seit Anfang 2016 bestehende Abwärtstrendlinie ist weiterhin intakt. Erst bei einem Anstieg über den Widerstand bei 59,25 RUB wäre diese gebrochen. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. Ein Fall unter die Unterstützung bei 55,70 RUB würde dagegen für eine Fortsetzung des Abwärtstrends sprechen. Trader können mit einem Short-Zertifikat auf USD/RUB auf eine weitere Aufwertung des Rubels setzen. Von Vontobel gibt es entsprechende Produkte.

Fazit



Die Präsidentschaftswahl am 18. März kann zwar politische Turbulenzen bringen, der Wahlausgang dürfte allerdings feststehen. Positiv auf den Rubel könnten sich zu erwartende Upgrades durch die Rating-Agenturen auswirken. Allerdings wird sich das Finanzministerium gegen eine zu starke Rubel-Aufwertung stemmen.

Autor: Devisen-Trader Redaktion, http://www.devisen-trader.de

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