Kolumnen & Analysen

Zertifikate-Trends: Run auf Bitcoin-Tracker
Börse Frankfurt - Marktberichte - 13.12.2017

13. Dezember 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Thema Nummer eins in Tageszeitungen, TV- und Online-Nachrichten war dies im Zertifikate-Handel ischon lange: der rasante Anstieg des Bitcoin-Kurses. "Die Bitcoin-Zertifikate schlagen von den Umsätzen her alles, was jemals dagewesen ist", berichtet Markus Königer von der ICF Bank. Auch auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen vier Wochen stehen die Bitcoin-Tracker ganz oben, erst mit weitem Abstand folgen andere Produkte.

Die Kryptowährung ist nicht zu bremsen, am Mittwochmorgen liegt der Kurs bei 16.780 US-Dollar, vorübergehend waren es sogar 17.580 US-Dollar. Seit Januar ist der Preis damit um den Faktor 22 gestiegen. Für den jüngsten Schub sorgte, dass seit vergangenem Sonntag ein Bitcoin-Terminkontrakt an der Chicagoer CBOE gehandelt wird. Mit dem Future können Investoren in beide Richtungen auf den Kursverlauf setzen, ohne Bitcoin tatsächlich halten zu müssen.

Mittlerweile zwei Tracker



Mit Zertifikaten ist zumindest das schon lange möglich, und zwar mit dem Bitcoin-Tracker von Vontobel (WKN VN5MJG). Da das Produkt nur bis Juli 2018 läuft, hat Vontobel vor einigen Wochen ein unbegrenzt laufendes Index-Zertifikat auf den Markt gebracht (WKN VL3TBC). Der Ansturm ist enorm: Königer zufolge würden auch die sonst so beliebten Faktor-Zertifikate, etwa auf den DAX, jetzt viel weniger gehandelt. "Alles konzentriert sich auf Bitcoins."

Zum Teil werde das "alte" Bitcoin-Zertifikat nun verkauft und auf das neue gesetzt. Ebenfalls sehr stark gehandelt würden Zertifikate auf die Bitcoin Group (WKN TR0YYQ) - eine Holding mit Schwerpunkt innovative und disruptive Geschäftsmodelle und Technologien aus den Bereichen Kryptowährungen und Blockchain. "Die meisten sind aber schon ausverkauft", stellt der Händler fest.

DAX-Optimisten und -Pessimisten



Wichtigster Basiswert über unterschiedliche Produkte hinweg ist unterdessen - wie immer - der DAX. Nachdem der Index vor vier Wochen kurz unter die 13.000 Punkte-Marke gerutscht war, hat er sich wieder erholt, am Mittwochmorgen sind es 13.186 Punkte.

Wie Anouch Wilhelms von der Commerzbank berichtet, finden unter den Anlageprodukten ein DAX-Tracker (WKN CD2JKY) und ein neunfach gehebeltes Zertifikat (WKN CE5YRN) viele Abnehmer, unter den Hebelprodukten ein bullishes Knock-out-Produkt mit Knock-out-Schwelle bei 12.775 Punkten (WKN CV44ET).

Königer zufolge gingen bullishe Knock-out-Produkte auf den DAX mit Barriere bei 12.481 Punkten gut weg, aber auch bearishe mit Barriere bei 14.125 Zählern. WilhelmsWilhelms

An der Börse Frankfurt wurden vor allem ein Bonus-Zertifikat auf den DAX (WKN SE6RKY) und ein DAX-Faktor-Zertifikat mit Hebel 12 (WKN CD4H15) rege gehandelt.

Großes Interesse an einzelnen Unternehmen



Einzelwerte als Underlying sind derzeit extrem gefragt. "Das ist im Moment außergewöhnlich viel", bemerkt Königer. Im Fokus stehen Autotitel sowie Technologiewerte. Sehr viel gehandelt würden zum Beispiel Discount-Zertifikate auf den französischen Elektrotechnikkonzern Schneider Electric (WKN DGK96D). Viel Umsatz sieht Königer außerdem in Knock-out-Calls auf Lufthansa (WKN HW8F0F) und die Deutsche Bank (WKN VL4RKL) sowie Call-Optionsscheinen auf VW (WKN PP0ATQ).

Wilhelms meldet großes Interesse an Faktor-Zertifikaten (WKN CD90ZV) und Aktienanleihen auf VW, außerdem an Zertifikaten auf Infineon, Amazon und Dialog Semiconductor. Bei Dialog würden insbesondere Discount-Zertifikate genutzt (WKN CD8BAB, CD85Z9). Ende November hatte ein Pressebericht, demzufolge der wichtige Dialog-Kunde Apple schon 2018 eigene Chips zum Strommanagement verwenden könnte, für einen Preisrutsch bei der Aktie gesorgt. Seitdem ist die Nervosität hoch. "Da machen Discount-Zertifikate besonders Sinn", meint Wilhelms.

Wegen des Bitcoin-Hypes und des damit verbundenen deutlichen Kursanstiegs von Nvidia waren darüber hinaus auch Zertifikate auf den Grafikkartenhersteller sehr beliebt. Viel Aufmerksamkeit gilt auch Amazon: "Da positionieren sich Anleger nur long", bemerkt der Händler (WKN CV3S6E, CE3AV4).

Bei der Baader Bank wurden ebenfalls Zertifikate auf Amazon rege gehandelt, aber auch auf VW und Apple, wie Simon Görich feststellt. "Ab und an schafft es auch einmal ein Exot in die Spitzengruppe, etwa Wacker Chemie mit einem Faktor-Zertifikat mit Hebel 2 (WKN CE5WX3)."

Goldpreiserholung erwartet



Der Goldpreis ist zuletzt deutlich gefallen, aktuell kostet die Feinunze 1.242 US-Dollar nach fast 1.300 Ende November. "Nun wird auf eine Gegenbewegung gesetzt", erklärt Wilhelms. Gekauft werden zum Beispiel Index-Zertifikate (WKN CN4CAP), aber auch Knock-Out-Calls (WKN CV49EN). Bei der ICF Bank setzen Anleger ebenfalls auf einen steigenden Goldpreis (WKN TD5CN8).

Der Ölpreis hält sich nun schon seit Ende Oktober über der Marke von 60 US-Dollar für ein Barrel Brent, am Mittwochmorgen sind es 63,56 US-Dollar. Kunden der Commerzbank kauften Knock-out-Calls auf Brent (WKN CV4PZR, CV4X3E). "Allerdings wurde zu Zeiten fallender Ölpreise viel mehr spekuliert als aktuell bei steigenden Preisen", kommentiert Wilhelms.

Von: Anna-Maria Borse
13. Dezember 2017, © Deutsche Börse AG

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