Kolumnen & Analysen

Marktstimmung: Gewinnmitnahmen auf beiden Seiten
Börse Frankfurt - Indizes - 14.02.2018

14. Februar 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Dass es keine normale Korrektur beim DAX werden würde, hatten wir in der Vorwoche befürchtet. Und seit unserer vergangenen Befragung gab es direkt im Anschluss lediglich einen Rebound von gerade einmal 200 DAX-Zählern, bevor es mit dem Börsenbarometer bis knapp vor die 12.000er Linie weiter nach unten ging. Immerhin bleibt von den zwischenzeitlich herben Kursverlusten per Saldo (stichpunktbezogen) gerade einmal ein Minus von 1,3 Prozent übrig.

Blickt man indes auf die gestrige BofA Merrill Lynch Umfrage bei globalen Fondsmanagern, wird deutlich, dass der Anteil derjenigen, die in Aktien übergewichtet sind, per 8. Februar netto von 55 auf 43 Prozent gefallen ist. Dieses so freigewordene Geld ist jedoch nicht etwa in Anleihen geflossen, sondern sorgte dafür, dass sich die Kassehaltung der Vermögensverwalter auf 4,7 Prozent von 4,4 Prozent in der Vorwoche erhöht hat. Übrigens: Als größtes Marktrisiko betrachten die Fondsmanager nach wie vor eine anziehende Inflation in Verbindung mit einem Anleihe-Crash. Und so wundert es auch nicht, dass die Fondsmanager per Saldo zu 69 Prozent in Anleihen untergewichtet sind - ein Rekordwert.

Während sich 70 Prozent der befragten Investoren besorgt fragen, ob sich der globale Konjunkturzyklus in seiner Spätphase befinden könnte, wird die Welt hierzulande ganz anders eingeschätzt. Denn der Optimismus der von uns befragten institutionellen, mittelfristig orientierten Anleger ist ungebrochen: Der Börse Frankfurt Sentiment-Index weist mit einem Stand von +33 Punkten genau den gleichen Wert wie in der Vorwoche aus. Allerdings verbirgt sich hinter diesem Optimismus eine gleichmäßig sinkende Polarisierung von Bullen und Bären - beide Gruppen haben sich um jeweils 6 Prozent der Befragten verkleinert, so dass zumindest diese Akteure in der hochvolatilen Phase des DAX offenbar durch kurzfristig geschicktes Handeln Gewinne mitgenommen haben.

Abflüsse ausländischen Kapitals



Gewinne mitgenommen haben auch die Privatanleger, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index im Gegensatz zu den institutionellen Pendants um 16 Punkte auf einen Stand von +17 Punkte gefallen ist. Hier sind es zu großen Teilen Gewinnmitnahmen aus bullishen Positionen gewesen, die diesen Rückgang verursacht haben - mehr als drei Viertel dieser früheren Optimisten sind zur Gruppe der Neutralen gewandert, während sich die übrigen Akteure direkt auf die Short-Seite begaben.

Wie auch schon in der Vorwoche ist der hohe Optimismus, der vor allen Dingen bei den institutionellen Anlegern zu finden ist, besorgniserregend. Vor allen Dingen in Hinblick darauf, dass die von BofA Merrill Lynch befragten Investoren ihre Aktienallokation in der Eurozone zurückgefahren haben. Die Übergewichtung für diese Region wird zwar immer noch mit 41 Prozent angegeben, ist aber auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr gesunken. Damit wird deutlich, dass es offenbar Kapitalabflüsse aus der Eurozone gegeben hat - ein Indiz dafür ist der in der Vorwoche um 1,8 Prozent gefallene Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar.

Für den DAX bedeutet dies leider nicht viel Gutes. Sollte er steigen, stünden auf höherem Niveau die möglichen Abgaben der Optimisten von heute im Wege - 12.650 DAX-Zähler waren übrigens in der vergangenen Woche nicht genug, um die Bullen zufriedenzustellen. Immerhin wäre aufgrund des wachsenden Lagers der neutral eingestellten Akteure im Falle eines neuerlichen Abverkaufs des DAX etwas mehr stützende Nachfrage als in der Vorwoche vorhanden. Aber letztlich nur um den Preis, zu den dann bereits bestehenden Verlustpositionen noch einmal in fallende Kurse hinzu zu kaufen. Sollte gleichzeitig weiterhin internationales Kapital abfließen, blieben die heimischen Akteure mit einer ziemlich explosiven Mischung und dem Risiko eines Sell-off des DAX alleine auf dem Parkett zurück.

Video-Kommentar von Joachim Goldberg





14. Februar 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index
Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

Vorherige Analysen: https://www.boerse-frankfurt.de/sentiment
Erläuterungen zur Methode: http://www.boerse-frankfurt.de/inhalt/marktsentiment-erhebungsregeln

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