Kolumnen & Analysen

Grüner Fisher: Unglaubliche Vorgänge
Börse Frankfurt - Indizes - 16.02.2018

16. Februar 2018. FRANKFURT (Grüner Fisher). Als Vermögensverwalter muss ich immer so objektiv wie möglich sein und jedwede Ideologie nicht an mich heranlassen. Man sollte auch keine Partei präferieren und seine eigene politische Meinung nicht in seine Analysen einfließen lassen. Aus den derzeitigen Vorgängen rund um die SPD ist jedoch viel Grundsätzliches für eine gute und nachhaltige Anlagestrategie zu lernen: Nicht den Fokus verlieren.

Kuriose Ausgangslage



Die Situation in der SPD wirkt für Außenstehende mehr als chaotisch und nicht mehr nachvollziehbar. Der große Verlierer ist Martin Schulz. Vom 100%-Hoffnungsträger und Euphorieauslöser zum EX-Parteivorsitzenden und Nicht-Außenminister in weniger als einem Jahr. Ein beispielloser Polit-Absturz. Die SPD versinkt in einem - noch vor wenigen Wochen - kaum vorstellbaren Chaos. Jeder gegen jeden. Rache und persönliche Eitelkeiten. Erinnern wir uns: Nur 20 Prozent der Wählerstimmen konnten in der Bundestagswahl gewonnen werden! Ein historisch schlechtes Ergebnis, dessen Ursachen deutlich vielfältiger sind als derzeit diskutiert.

Die Perspektive ändern



Angela Merkel hat die SPD "klein regiert" und die SPD hat durch die Große Koalition der letzten Jahre ihr Profil verloren. Sehr oft hört man diese Argumente. Doch das ist viel zu kurz gesprungen und geht am Kern der Problematik völlig vorbei. Die Zahlen sprechen für sich: Nach der Oppositions-Zeit von 2009 bis 2013 konnte man sich ebenfalls nur von rekordschwachen 23 auf 25 Prozent "verbessern". Ein für die SPD historisch desaströses Niveau. Aus heutiger Sicht nahezu utopisch: Gerhard Schröder erzielte 1998 für die SPD noch 40,9 Prozent!

Seit damals ist viel geschehen: Die "typische Wählerbasis" der SPD schrumpft nachhaltig. Mit steigendem Wohlstand hat sich die "Arbeiterklasse" aufgeteilt. Die radikalen Konzepte der Linken (oder auch der AfD!) graben die sich abgehängt fühlenden Arbeiter ab. Die andere Arbeiter-Gruppe ist durch den steigenden Wohlstand der SPD ins bürgerliche Lager "entwachsen". Diesen Trend hat die SPD völlig verkannt.

Deutschland funktioniert immer mehr wie das "Apple-Modell": Designed in California, hergestellt irgendwo anders. Hier im Umfeld von Kaiserslautern konnte man diesen Wandel schön beobachten. Keiner wollte sich vor einigen Jahren ausmalen, was in der Region passieren würde, wenn die beiden großen Industriearbeitgeber Opel und Pfaff in Schieflage geraten sollten. Und? Beide haben tausende Mitarbeiter freigestellt und trotzdem geht es der Region heute durch viele Neugründungen im Mittelstand besser als je zuvor. Deutschland wandelt sich - die SPD nicht.

Welches Angebot hat die SPD überhaupt noch?



Die SPD hat den Fokus verloren. Konstruktive Konzepte sind Mangelware, man hat sich zu viel mit sich selbst beschäftigt. Man lebt auf Funktionärsebene in einer "konzentrierten Filterblase" und nimmt die Außenwelt nicht mehr wahr. Wer "Solidarität für Deutschland neu organisieren will" und in den Machtkämpfen innerhalb der eigenen Reihen derartig die Fetzen fliegen lässt, macht sich letztendlich völlig unglaubwürdig!

Fazit



Anstatt sich auf die erfolgreichen Reformen der Vergangenheit zu stützen, entschuldigt man sich permanent dafür bei seiner vermeintlichen - und ständig schrumpfenden - Wählerzielgruppe. Um den Erfolg in der Zukunft wieder zu erlangen, muss die SPD ihre Perspektive ändern. Raus aus der kollektiven Filterblase ihres derzeitigen Führungspersonals! Solidarität für die komplette Gesellschaft glaubhaft vorleben anstatt diese wichtige Kernbotschaft durch innerparteiliches Gemetzel selbst zu torpedieren!

16. Februar 2018, © Grüner Fisher

Über den Autor
Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer von der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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