Kolumnen & Analysen Märkte

Tagesausblick Renten/Devisen: US-Stundenlöhne im Fokus.
Helaba Floor Research - Forex - 03.11.2017

Nun ist es offiziell: Jerome Powell wurde für den Vorsitz des Board of Govenors of the Federal Reserve System nominiert. Diesem gehört Powell seit Mai 2012 an, ist aber kein Ökonom, sondern Jurist. Inwiefern er in geldpolitischen Fragen eine Meinungsführerschaft erlangen kann, ist somit fraglich. Folgt ihm der Offenmarktausschuss, dem neben den Govenors die regionalen Fed-Präsidenten angehören? Wer führt das FOMC? Traditionell werden Board- und FOMC-Vorsitz in Personalunion geführt. Eine gesetzliche Regelung besteht nicht. Ebenso offen ist die Frage nach der Zukunft der bisherigen Board- und FOMC-Vorsitzenden Yellen. Ihre Board-Mitgliedschaft ist nicht an den Ende Januar auslaufenden Vorsitz gebunden und besteht planmäßig bis Januar 2024.

Die Nominierung Powells, der noch eine Bestätigung durch den US-Senat benötigt, kam nicht überraschend, hatten sich doch seit Anfang der Woche entsprechende Spekulationen ergeben. Insgesamt fielen die Marktreaktionen moderat aus und daher werden Marktteilnehmer heute den Fokus auf die Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts legen. Im Mittelpunkt des Interesses dürfte unseres Erachtens weder die Arbeitslosenquote noch die Zahl der netto geschaffenen Stellen stehen, sondern vielmehr die Lohnentwicklung. Die Hurrikans hatten die September-Daten verzerrt und zu einem Beschäftigungsrückgang geführt. Eine entsprechende Korrektur sollte einkalkuliert werden. Eine freundliche Indikation lieferte diesbezüglich der über den Erwartungen liegende ADP-Report. Allerdings liegt die Konsensschätzung jenseits von 300 Tsd. zusätzlichen Stellen bereits auf hohem Niveau und eine positive Überraschung dürfte daher nicht wahrscheinlich sein. Möglicherweise waren die Verzerrungen auch für das Plus beim Stundenlohn von 0,5 % VM im September verantwortlich. Sollte es hier dennoch zu einem (wenngleich moderateren) Anstieg kommen, wäre es Ausweis der soliden Verfassung des Arbeitsmarktes und auch ein Grund, die Zinserwartungen bezüglich der Fed nicht zu reduzieren. Diese erscheinen insbesondere für das Jahr 2018 noch immer nicht sehr ausgeprägt. Im Gegensatz zum FOMC, das drei Zinsschritte avisiert, haben die Geldmarktfuture bisher lediglich einen Schritt vollständig eskomptiert. Nicht unerwähnt soll der ISM-Index des Nicht-Verarbeitenden Gewerbes bleiben. Zwar gab das Pendant in der Industrie leicht nach und mahnt heute vor zu viel Optimismus, das Niveau ist dennoch außergewöhnlich hoch und so sollte auch der Servicesektor einen starken Wert aufweisen.




Bundrendite: Konsolidierung im Abwärtstrendkanal



Nachdem der Future daran gescheitert ist, das Doppelhoch von Mitte Oktober bei 162,77/78 nachhaltig zu überwinden, hat sich eine Seitwärtstendenz durchgesetzt. Auch heute ist das Umfeld für den Rentenmarkt schwierig, denn ein robuster US-Arbeitsmarkt würde Erwartungen steigender US-Zinsen tendenziell stützen und nicht nur den US-Markt belasten. Unterstützungen sind bei 162,25 und um 162,00 zu finden. Widerstände lokalisieren wir im Bereich 162,77/83 und am Kontrakthoch, das am 8. September bei 163,43 markiert wurde. Trading-Range: 162,00 – 163,00.

EUR-USD: Erholungspotenzial begrenzt



Der Euro konnte sich im Nachgang der FOMC-Entscheidung gut behaupten und auch die Zinserhöhung in Großbritannien hat der Gemeinschaftswährung nicht geschadet. Die Nominierung von Jerome Powell für den Fed-Chefposten hat keine großen Spuren am Devisenmarkt hinterlassen, denn die Entscheidung für ihn hatte sich schon vor der offiziellen Bekanntmachung abgezeichnet. Heute könnte ein robust zu erwartender US-Arbeitsmarkt den Dollar in die Karten spielen, denn Spekulationen auf weitere Leitzinserhöhungen würden tendenziell gestärkt. Insofern bleibt das Anstiegspotenzial des Euros innerhalb des intakten Abwärtstrendkanals begrenzt. Widerstände lokalisieren wir an der 100-Tagelinie bei 1,1695, bei 1,1723 und am Abwärtstrend bei 1,1790. Wichtige Unterstützungen sind unverändert bei 1,1573 und 1,1550 sowie bei 1,1510 zu finden. Trading-Range: 1,1600 – 1,1720.

Autor: Helaba Floor Research, www.helaba.de

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