Kolumnen & Analysen Märkte

Grüner Fisher: "Chancen und Gefahren 2018"
Börse Frankfurt - Forex - 25.12.2017

21. Dezember 2017. November FRANKFURT (Grüner Fisher). Der globale Bullenmarkt hat sich auch im Börsenjahr 2017 von seiner robusten Seite gezeigt. Politische Brisanz, Bitcoin-Hype, Brexit, Trump vs. Kim - es mangelte nicht an aufregenden Schlagzeilen. Dennoch haben sich die Märkte - frei von größeren Korrekturen - auf breiter Front positiv entwickelt.

Europäische Anleger leiden unter starkem Euro



Wie positiv man den Verlauf der weltweiten Aktienmärkte am Ende wahrnimmt, hängt von der Perspektive ab: Für global orientierte Euro-Investoren war die erstarkte Heimatwährung 2017 im Gegensatz zu den Vorjahren eher Bremsklotz als Renditetreiber, während die EUR/USD-Entwicklung den global aufgestellten US-Investoren spürbaren Rückenwind verschafft hat. Isoliert betrachtet zeigte sich der europäische Aktienmarkt ebenfalls recht dynamisch, entgegen aller Unkenrufe, die zu Jahresbeginn bezüglich der politischen Unsicherheit in Europa geäußert wurden.

Bitcoins, Ethereum, Ripple - immer weiter?



Der Hype um Kryptowährungen nimmt bisher kein Ende. Im Dezember 2017 wird ein Bitcoin kurzzeitig zu über 20.000 US-Dollar gehandelt, andere Kryptowährungen ziehen im "Windschatten" der Bitcoins die Aufmerksamkeit der Anleger ebenfalls auf sich. Oft hören wir derzeit: "Die große Rallye bei Bitcoins habe ich eventuell schon verpasst. Dann investiere ich eben in Kryptowährungen aus der zweiten Reihe!" Dieses Verhaltensmuster zeigt recht deutliche Parallelen zum Internet-Hype Ende der 90er Jahre auf, als der Markt von substanzlosen Börsengängen überflutet wurde. Vorsicht!

Euphorie wird auch im Aktienbereich oft thematisiert, meist im Zusammenhang mit angeblich überdurchschnittlichen Bewertungen. Das Bitcoin-Beispiel zeigt jedoch, dass auf der Stimmungskurve noch extrem viel Luft nach oben ist. Krypto-Euphorie auf den Aktienmarkt angewendet würde bedeuten: Anleger stürmen in den Aktienmarkt, um sich Unternehmensanteile zu "sichern". Schließlich ist das Angebot begrenzt und wird durch Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen weiter verschärft! Die "großen Fische" profitieren, die riesige Aktienpakete kaufen und nicht mehr herausrücken! Da muss man jetzt auch dabei sein. So oder so ähnlich könnte wahre Euphorie am Aktienmarkt aussehen.

Prognosen 2018



Mit Sicherheit ist eine derart sorglose und fast schon aggressive Verhaltensweise wie bei Kryptowährungen noch reine Zukunftsmusik. Die Prognosen der Experten werden für 2018 ihre moderate Ausrichtung beibehalten. Selbst nur moderat positive Ausblicke gehen grundsätzlich einher mit mahnenden Worten.

Somit bleibt für 2018 festzuhalten: Die fundamentale Stärke der Weltwirtschaft prägt sich weiter aus. "Wie soll ich mich im kommenden Jahr aufstellen?", so lautet wie jedes Jahr die brennende Frage der Anleger. Viel wichtiger wird angesichts des wachsenden Optimismus jedoch die Beantwortung der Frage "Was sollte ich in 2018 vermeiden?" sein. Keine ungerechtfertigten Risiken eingehen, die langfristigen Anlageziele nicht in den Hintergrund rücken und emotionale Anlageentscheidungen vermeiden!

Fazit



Auch nach neun Jahren im globalen Bullenmarkt bleibt das langfristige Erfolgsrezept unverändert: Globale Diversifikation, nachhaltige Investitionsplanung und vor allem Fehlervermeidung. Euphorische Tendenzen gilt es genau zu beobachten - auch wenn der Aktienmarkt von einem Hype aktuell noch weit entfernt ist. Die Bitcoin-Story kommt eigentlich genau zum richtigen Zeitpunkt: Sie sollte Anleger vor Augen führen, dass es am Ende nicht viel braucht, um in kurzer Zeit eine gefährliche Gier zu entfachen.

21. Dezember 2017, © Grüner Fisher

Über den Autor
Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer von der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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