Kolumnen & Analysen Märkte

Tagesausblick Renten/Devisen: EZB-Sitzung: Änderung der Forward Guidance?
Helaba Floor Research - Forex - 25.01.2018

Heute steht die mit Spannung erwartete Ratssitzung der Europäischen Zentralbank im Fokus der Marktteilnehmer. Das Protokoll der letzten Sitzung von Mitte Dezember brachte ans Licht, dass Ratsmitglieder überwiegend die Ansicht vertreten haben, dass die Kommunikation Anfang dieses Jahres angepasst werden sollte. Klar ist, dass das Wording sehr behutsam verändert wird, um unerwünschte Marktverwerfungen zu vermeiden. Daher stellt sich die Frage, ob bereits heute die Entscheidung zur Adjustierung des der Zinsentscheidung begleitenden Statements getroffen wird. Möglich wäre das Streichen des Passus, wonach das QE-Programm im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer ausgeweitet werden kann. Unverändert dürfte hingegen der Ausblick sein, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont der Anleihekäufe hinaus auf dem derzeitigen Niveau bleiben. Da es in der letzten Woche auch kritische Stimmen gab und Ratsmitglieder vor einem zu schnellen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik gewarnt hatten und zudem der Anstieg des Euros mit Sorge betrachtet wurde (Quelle der Unsicherheit), könnte die Forward Guidance auch erst bei der Ratssitzung Anfang März verändert werden. Zudem gilt zu berücksichtigen, dass Präsident Draghi für „dovishe“ Äußerungen bekannt ist. Insofern könnten Hoffnungen auf eine schnelle Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik enttäuscht werden. Das konjunkturelle Umfeld ist hingegen robust und die Indikationen für den ifo-Geschäftsklimaindex vonseiten anderer Stimmungsumfragen (sentix, ZEW, PMIs) per saldo positiv. Ein erneuter Anstieg kann nicht ausgeschlossen werden, wenngleich der Index knapp unterhalb seines Rekordniveaus liegt. Der Markteinfluss dürfte im Vorfeld der EZB-Sitzung aber begrenzt sein.



Bund-Future: Euro-Anstieg belastet zunehmend



Der Future ist daran gescheitert, den Dezember-Abwärtstrend nachhaltig zu überwinden. Vielmehr kam es nach einem kurzen Ausflug über 160,70 zu rückläufigen Notierungen. Belastet haben dürfte der erneute Anstieg des Euros auf den höchsten Stand seit Dezember 2014, denn dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit einer schnellen EZB-Zinswende weiter ab. Sollte Präsident Draghi den Anstieg des Euros als Quelle der Unsicherheit bezeichnen und auch sonst keine Hinweise auf eine baldige Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik geben, dürften die Kurse an den Rentenmärkten wieder steigen. Unterstützungen sind unverändert bei 160,30 und 160,11 zu finden, Widerstände lokalisieren wir bei 161,11 und 161,55. Trading-Range: 160,20 – 161,40.

EUR-USD: EZB könnte den Euro belasten



Gestern markierte der Euro ein neues Dreijahreshoch bei 1,2415. Aus fundamentaler Sicht bekam der Euro in letzter Zeit Rückenwind von zwei wesentlichen Faktoren. Zum einen stiegen die Spekulationen über eine schnellere Kehrtwende der Zinspolitik seitens der Europäischen Zentralbank. Zudem sorgen die protektionistischen Äußerungen und Einfuhrzölle des US-Präsidenten Trumps für Verunsicherungen über zukünftige Handelsbeziehungen. Seit der letzten EZB-Ratssitzung im Dezember wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar um mehr als 5 % auf. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass sich heute EZB-Chef Mario Draghi kritisch über den hohen Eurokurs äußern wird. Zudem verharrt die Preisteuerung in Europa unter dem Zielwert von Nahe 2 %, was einer schnellen Zinswende entgegensteht. Von technischer Seite sind die Vorgaben als unterstützend zu beurteilen. Trading-Range: 1,2320 – 1,2550.

Autor: Helaba Floor Research, www.helaba.de

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