Kolumnen & Analysen Märkte

Tagesausblick Renten/Devisen: EZB: Ausstieg aus lockerer Geldpolitik zögerlich
Helaba Floor Research - Forex - 26.01.2018

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen erwartungsgemäß nicht verändert. Der Hauptrefinanzierungssatz sowie die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierung und die Einlagenfazilität wurden bei 0,00 %, +0,25 % bzw. -0,40 % belassen. Auch die Forward Guidance hat sich nicht verändert, wodurch klar wird, dass der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik sehr vorsichtig vollzogen wird. Eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den September 2018 hinaus ist weiterhin möglich, denn die EZB hält an der Option einer zeitlichen und volumenmäßigen Ausweitung fest. Wir gehen aber davon aus, dass dies aufgrund der guten wirtschaftlichen Perspektiven und der verbesserten Arbeitsmarktlage sowie der Erwartung eines trendmäßigen Anstiegs der Kernteuerung nicht genutzt wird. Eine entsprechende Anpassung des Wordings könnte es bei der nächsten Ratssitzung Anfang März geben. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Euro nicht weiter aufwertet, denn dies würde den erhofften Inflationsanstieg konterkarieren. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass heute die Ergebnisse des von der EZB durchgeführten Survey of Professional Forecasters für das erste Quartal 2018 vorgestellt werden. Auf besonderes Interesse stoßen die Erwartungen zur Teuerungsrate und zu den längerfristigen Inflationserwartungen. Mit merklichen Anpassungen nach oben ist nicht zu rechnen. Auch das Wachstum der Geldmenge M3 sollte zeigen, dass die monetäre Dynamik noch verhalten ist. Insofern dürfte sich die EZB in ihrem Ausblick bestätigt sehen, wonach die Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des QE-Programms hinaus auf dem derzeitigen Niveau bleiben werden.



In den USA stehen heute der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter und das vorläufige BIP-Wachstum des vierten Quartals auf dem Programm. Wir halten Enttäuschungen für möglich. Im Fall der Aufträge liefern die schwachen Boeing-Bestellungen eine negative Indikation (Grafik). Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im Schlussquartal 2017 eine geringere Dynamik aufweisen. Wir gehen von einem annualisierten Quartalsplus von 2,6 % aus.

Bund-Future: Am Abwärtstrend gescheitert



Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, Geldpolitik und Forward Guidance nicht zu verändern, hat die Zinserwartungen nicht verdrängen können. Im Gegenteil: Konjunkturoptimistische Äußerungen von EZB-Präsident Draghi und die Erwartung, dass die Kernteuerung allmählich zulegt, haben zu einem Anstieg der Renditen beigetragen. Damit ist der Bund-Future erneut daran gescheitert, den Dezember-Abwärtstrend dauerhaft zu überwinden. Die Trendlinie verläuft heute bei 160,48 und stellt einen ersten Widerstand dar. Haltemarken sind am neuen Kontrakttief bei 159,75 und bei 158,73 zu finden. Sollten die US-Daten die Erwartungen enttäuschen, was wir für möglich halten, dürfte der Rentenmarkt tendenziell unterstützt werden. Trading-Range: 159,70 – 160,75.

EUR-USD: Höhenflug setzt sich fort



Der Euro hat im Zuge der EZB-Pressekonferenz deutlich zugelegt und mit Kursen oberhalb von 1,25 USD ein neues Dreijahreshoch markiert. Dafür verantwortlich dürften konjunkturoptimistische Äußerungen des EZB-Präsidenten gewesen sein und Erwartungen, wonach die Kernteuerung mittelfristig steigt. Die Euroaufwertung wurde zwar als Quelle der Unsicherheit bezeichnet, jedoch sei es noch zu früh, die Auswirkungen auf die Inflation abschätzen zu können. Nach den Euro-Gewinnen der letzten Tage ist eine Korrektur zwar möglich, zumal auch eine überkaufte Marktlage zu konstatieren ist, von fundamentaler Seite könnte es aber im Fall unter den Erwartungen liegender US-Daten nochmals Rückenwind geben. Widerstände sehen wir am markanten Hoch von Dezember 2014 bei 1,2570 und bei 1,2600. Die erste Unterstützung lokalisieren wir bei 1,2320. Trading-Range: 1,2370 – 1,2570.

Autor: Helaba Floor Research, www.helaba.de

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